Zukünftige Tagungen
Narrative Epistemologien des Antiken Mittelmeerraums
Workshop @EABS Annual Conference London 2027
Organisiert von:
Benjamin De Vos, Ghent
Thomas Tops, Chur
Thomas Wagner, Wuppertal
Dieser Workshop setzt sich mit antiken Epistemen auseinander, indem er untersucht, wie antike Erzählungen – von der persischen Epoche bis zur Spätantike – Erkenntnisse vermitteln und Wahrheits- bzw. Wissensansprüche aushandeln. Wir konzentrieren uns auf diese narrativen Erkenntnistheorien und beziehen uns dabei auf die internen textuellen Strategien, rhetorischen Muster sowie Strategien der Fiktionalität und literarischen Kriterien, durch die eine Erzählung bestimmte Behauptungen als glaubwürdig, wahr oder maßgeblich darstellt, während sie andere als falsch oder irreführend diskreditiert. Zweitens untersucht der Workshop, wie diese Erkenntnistheorien bestimmte Praktiken als wahr untermauern oder legitimieren, während andere als falsch oder irreführend diskreditiert werden. Diese Praktiken können explizit in den Erzählungen selbst dargestellt werden, können aber auch mit den sozialen Realitäten der historischen Kontexte des Textes in Verbindung stehen. Somit bietet der Abschnitt Einblicke in die miteinander verflochtenen historischen Dimensionen der Konstruktion sowohl von Wissen als auch von sozialen Realitäten.
2027 widmen wir uns dem hema Orakel und Orakeltraditionen. Die Auseinandersetzung damit bietet die Gelegenheit zu untersuchen, wie Erzählungen bzw. Erzähltraditionen Wissensformen darstellen, die als jenseits der gewöhnlichen menschlichen Erfahrung liegend wahrgenommen werden. Besonderes Augenmerk kann dabei auf die literarischen Strategien gelegt werden, durch die prophetisches oder orakelhaftes Wissen authentifiziert, interpretiert, weitergegeben und manchmal auch angefochten wird, sowie auf die Art und Weise, wie verschiedene kulturelle Traditionen mit der Autorität solchen Wissens umgehen.
Epistemische Autorität und Wahrheitspraktik in jüdischen und christlichen Texte der Antike und in Diskurse in einer post-faktischen Gegenwart
Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal
Organisiert von:
Stefan Freund, Wuppertal
Thomas Tops, Chur
Thomas Wagner, Wuppertal
Religion basiert auf einem Für-wahr-Halten bestimmter Aussagen; die Kommunikation über Religion postuliert und affirmiert solche Wahrheiten. Was dabei Glaubwürdigkeit hervorruft, lässt sich mit dem von Hauswald (2024, 62) definierten Begriff der ‚epistemischen Autorität‘ fassen: Eine solche liegt vor, wenn eine Instanz gegenüber dem Rezipienten „epistemisch superior ist, wobei es sich z. B. um eine Superiorität im Hinblick auf die Kenntnis propositionaler Wahrheiten bezüglich“ der Religion oder auf entsprechendes „praktisches Wissen oder […] phänomenales Wissen oder […] Verstehen“ handelt. In diesem Sinne etwa werden häufig in religiösen Texten Handlungen dargestellt, die im unmittelbaren Dialog mit dem jeweiligen kulturellen Wissen das Gesagte als wahr kennzeichnen und so eine wahr-falsch-Taxonomie voraussetzen. Die als wahr vermittelte Position erscheint in den Texten häufig durch eine bestimmte Praktik (z. B. Prophetie, Amt oder Berufung, Gesellschaftskritik, moralische Korrektur bzw. Anmahnung, Neudeutung jeweils autoritativer Zeugnisse) legitimiert, wobei diese ‚Wahrheitspraktik‘ mit anderen Wahrheitspraktiken korrosiv (nach Lincoln 1994) konkurrieren kann. Autorisiert wird die jeweils relevante Wahrheitspraktik durch spezifische Anerkennungsformen (Honneth 1992). Daraus ergibt sich die Grundfrage, wie eine ‚epistemische Autorität‘ durch eine Wahrheitspraktik begründet werden kann.
Während bislang in der Forschung zu den Wahrheitsdiskursen in religiösen Texten der jüdisch-christlichen Antike semantische und hermeneutische Untersuchungen (æmeth, chæsæd; z.B. Ramsdell 1951, Kellenberger 1982; Hermisson 1995; parrhēsia, alētheia; z.B. Fitzgerald [Hrsg.] 1996; Landmesser 1999; Fitzgerald et al. [Hrsg.] 2004; Leppin 2022; Tops 2022; 2023) im Vordergrund standen, versucht die beantragte Tagung einen Neuansatz durch die Anwendung des Konzepts der ‚epistemischen Autorität‘ und ihrer Begründung durch Wahrheitspraktik(en). Dies soll durch die systematische und interdisziplinäre Analyse von Texten aus den folgenden drei Phasen geschehen: (1) In den jüdischen Schriften aus der Zeit des Zweiten Tempels wird die seit dem dritten Jahrtausend gängige Form der Wahrheitsbegründung, nämlich mythisches Wissen durch empirische Beobachtungen zu bestätigen, zunehmend durch die Rückführung von Wahrheit auf ein Ursprungsprinzip abgelöst. (2) Mit der Jesusbewegung wenden sich eine der im innerjüdischen Differenzierungsprozess entstandenen Gemeinschaften über das direkte Umfeld hinaus, knüpft dabei vermehrt an Positionen des Diasporajudentums (z.B. Philo von Alexandrien) an und wendet sich weiteren gesellschaftlichen Gruppen des Römischen Reiches zu. Daraus entsteht das Bedürfnis, dass die religiöse Wahrheit in anderen kulturellen Umfeldern und ihren spezifischen Bedingungen begründet und anerkannt wird. (3) Die christliche Apologetik muss die auf biblischen Narrativen beruhenden Glaubensaussagen in Kongruenz und in Abgrenzung zur paganen Lebenswelt für ein paganes und für ein nach intellektueller Selbstvergewisserung suchendes gebildetes christliches Publikum formulieren.
Zusätzlich zu dieser historischen Perspektive versuchen wir, die in Diskursen einer post-faktischen Gegenwart sichtbaren ‚epistemischen Autoritäten‘ mit den von ihnen verwendeten Wahrheitspraktiken exemplarisch herauszuarbeiten und die Wirkungskonzepte zu erfassen und zu beschreiben, um die in ihnen erkannten Strukturen mit den in den antiken Texten aufgewiesenen zu vergleichen. Daraus ergeben sich Rückschlüsse auf die Diskurse über (religiös begründete) Wahrheiten in einer post-faktischen Gesellschaft.
Vormalige Tagungen
Narrative Epistemologies of the Ancient Mediterranean World
Workshop @EABS Annual Conference Leuven 2026
Veranstalter:
Benjamin De Vos, Universität Gent
Thomas Tops, Universität Wuppertal
Thomas Wagner, Universität Wuppertal
In den letzten zwei Jahrzehnten hat die Forschung in den Geistes- und Kulturwissenschaften eine „epistemische Wende“ durchlaufen, die zu einer Neubewertung der Art und Weise geführt hat, wie Wissensobjekte entwickelt und konstruiert werden und wie Denkweisen durch Texte und Bilder veräußerlicht werden. Dieser Wandel hat in verschiedenen Disziplinen anhaltende Debatten über spezifische Wissensfelder, die Vermittlung von Wissen und dessen Dokumentation ausgelöst. Dieser Workshop greift diese Debatten auf, indem er untersucht, wie antike Erzählungen – von der persischen Zeit bis zur Spätantike – Erkenntnistheorien vermitteln und Wahrheits- bzw. Wissensansprüche aushandeln. Wir konzentrieren uns auf diese narrativen Erkenntnistheorien und beziehen uns dabei auf die internen textuellen Strategien, rhetorischen Muster sowie Strategien der Fiktionalität und literarischen Kriterien, durch die eine Erzählung bestimmte Aussagen als glaubwürdig, wahr oder maßgeblich darstellt, während sie andere als falsch oder irreführend diskreditiert. Zweitens untersucht der Workshop, wie diese Erkenntnistheorien bestimmte Praktiken als wahr untermauern oder legitimieren, während andere als falsch oder trügerisch diskreditiert werden. Diese Praktiken können in den Erzählungen selbst explizit dargestellt sein, sich aber auch auf soziale Realitäten der historischen Kontexte des Textes beziehen. Somit bietet der Workshop Einblicke in die miteinander verflochtenen historischen Dimensionen der Konstruktion sowohl von Wissen als auch von sozialen Realitäten.
Der angekündigte Workshop zielt darauf ab, die epistemologischen Dimensionen antiker Erzählungen zu untersuchen, indem er sich auf die textuellen, rhetorischen und fiktionalen Strategien konzentriert, durch die Wissen und Wahrheit vermittelt werden. Wir bezeichnen diese als narrative Erkenntnistheorien – die Art und Weise, wie Erzählungen bestimmte Aussagen als glaubwürdig, wahr oder maßgeblich darstellen, während sie andere als falsch oder irreführend diskreditieren. Über textuelle Strategien hinaus befasst sich der Workshop auch damit, wie solche Erkenntnistheorien mit tatsächlichen sozialen Praktiken in Verbindung stehen oder diese untermauern, sei es, dass diese innerhalb der Erzählung selbst dargestellt werden oder aus ihrem breiteren historischen und kulturellen Kontext abgeleitet werden. Ziel ist es, die Mechanismen besser zu verstehen, durch die antike Erzählungen am Wahrheitsdiskurs teilnehmen, Legitimität konstruieren und soziale sowie kulturelle Normen durch literarische Form aushandeln. Damit hofft der Workshop, zu einem differenzierteren Verständnis der miteinander verflochtenen historischen Dimensionen der Wissensproduktion und -validierung in der antiken Mittelmeerwelt beizutragen.
Ancestral Visual Epistemology
International Summer School @Faculdade Unida de Vitória, Brasil
Veranstalter:
Silas Klein Cardoso, Faculdade Unida de Vitória
Thomas Wagner, Universität Wuppertal
Programm:
Durch ihre Bildsprache offenbaren antike Kulturen Aspekte der Welt, die jenseits alltäglicher Erfahrungen liegen. Dies entspricht dem modernen Konzept der Augmented Reality. In der Sommerschule werden wir uns den Phänomenen des visuellen Denkens und der Graphesis (Drucker, 2014) zuwenden, um im Sinne einer historischen Erkenntnistheorie die „Reflexion über die historischen Bedingungen, unter denen und mit welchen Mitteln Dinge zu Objekten des Wissens gemacht werden, wodurch der Prozess des wissenschaftlichen Wissenserwerbs in Gang gesetzt und aufrechterhalten wird“ (Rheinberger, 2007). Durch den Vergleich verschiedener alter Kulturen und ihrer visuellen Erkenntnistheorien werden wir nach den Besonderheiten suchen, die einen tieferen Einblick in Wissenskonstitutionen (Episteme) sowie die zugrunde liegenden Muster und Denkstrukturen ermöglichen.
Die internationale Sommerschule bietet eine hervorragende Gelegenheit, theoretische Einblicke in Erkenntnistheorie und Ikonografie mit praktischen Erfahrungen in der Bildanalyse zu verbinden und dabei mit Studierenden und Dozenten aus unterschiedlichen akademischen Kontexten in Kontakt zu treten.
Zielgruppe:
Dieser Kurs richtet sich an Masterstudierende und Doktoranden der Hebräischen Bibel, des Neuen Testaments oder ähnlicher Fachgebiete.
Kursziel:
Die Studierenden erlernen die Grundlagen der Bildanalyse und lernen, diese auf Objekte und Artefakte anzuwenden. Auf der Grundlage kontinuierlicher methodologischer Reflexion werden sie darin geschult, ihre Beobachtungen im Hinblick auf ihre jeweiligen Forschungsfragen zu bewerten.
Die Teilnehmenden haben die Möglichkeit, Forschungsprojekte vorzustellen und zu diskutieren.
Folgende Themen werden im Kurs behandelt:
- Methodische Ansätze zur Bildanalyse
- Grundlagen der historischen Erkenntnistheorie
- „Dichte Beschreibung“ antiker Kulturen und ihrer Denkweisen und -muster
- Rekonstruktion kulturell bedingter Bildprogramme
Wisdom at the Interface between God and Humans
Tagung an der Universität Hamburg
Veranstalter:
PD Dr. Marcel Krusche, Hamburg
PD Dr. Thomas Wagner, Wuppertal
Eine internationale Konferenz über die göttlich-menschlichen Dimensionen der Weisheit in der hebräischen Bibel und der Antike
Weisheit oder Wissen spielen in den Erzählungen über den Garten Eden in Gen 2–3 und Hes 28,11–19 eine herausragende Rolle – sowohl in der Gegenüberstellung der beiden Texte als auch im Kontext der hebräischen Bibel. Während in Gen 2–3 die ersten Menschen zunächst Wissen erlangen, indem sie die Frucht vom „Baum der Erkenntnis von Gut und Böse“ pflücken, und daraufhin aus dem Garten verbannt werden, ist der König von Tyrus in Hes 28 von Anfang an mit Weisheit und Schönheit ausgestattet, die er beide aufgrund seiner Hybris verliert. In beiden Erzählungen ist Weisheit oder Erkenntnis mehr als nur eine lebensfördernde Fähigkeit, die von Menschen erworben und erlernt werden kann. Vielmehr erscheint sie durch die Verknüpfung mit dem mythischen Raum des Gartens Eden als göttliche Eigenschaft. Weisheit hat somit übermenschliche Dimensionen und befindet sich an der Schnittstelle zwischen Gott und den Menschen. In Gen 2–3 werden die Menschen durch das Erlangen von Wissen „wie Gott“; in Hes 28 ist der mit Weisheit ausgestattete König der einzige menschliche Bewohner einer mythischen Sphäre. In beiden Texten ist Weisheit oder Wissen eine ambivalente Eigenschaft, insofern sie mit dem Sündenfall der jeweiligen Protagonisten und ihrer Vertreibung aus dem Garten zusammenhängt.
Die Tagung nimmt Gen 2–3 und Hes 28,11–19 als Ausgangspunkt für Vorstellungen von Weisheit und Erkenntnis, die entscheidend die Beziehung zwischen Gott und Mensch betreffen. Sie beschränkt sich jedoch nicht auf diese beiden Texte, sondern bettet sie in den größeren Horizont der hebräischen Bibel, des Alten Orients und der frühen jüdischen Literatur ein. Ziel ist es einerseits, das Thema Weisheit bzw. Wissen in Gen 2–3 und Ez 28 besser zu verstehen, und andererseits, die übermenschlichen und göttlichen Dimensionen von Weisheit und Wissen in den verschiedenen Textbereichen und Kulturen zu beleuchten.
Die Leitfragen der Tagung lassen sich wie folgt zusammenfassen:
- Was macht Weisheit und Wissen aus der Sicht der Quellen zu einer göttlichen oder übermenschlichen Eigenschaft?
- Wie können Menschen göttliche Weisheit erlangen und an ihr teilhaben?
- Welche Auswirkungen und Folgen haben Weisheit und Wissen für den Menschen?
- Wie und inwieweit beeinflussen Weisheit und Wissen die Beziehung zwischen Gott und den Menschen?
Download Programme (update 21. November 2022)
Epistemology of the Ancient Fertile Crescent
Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal
Veranstalter:
Annette Schellenberg, Universität Wien
Jan Dietrich, Universität Bonn
Thomas Wagner, Universität Wuppertal
Es wird oft angenommen, dass die Reflexion über Wissen ihren Ursprung in der Entstehung der griechischen Philosophie seit der vorsokratischen Zeit hat. Ausgehend von dieser Erkenntnis werden frühere Kulturstufen im alten Nahen Osten, einschließlich des alten Israels, als archaisch beschrieben. In diesen „archaischen Kulturen“ sollen Reflexionen über die Prinzipien des Wissens und deren Dokumentation in schriftlichen Quellen kaum existiert haben. Entgegen dieser Sichtweise sind in den letzten Jahren neue Ansätze zur Erforschung der Erkenntnistheorien in diesen Kulturen entstanden. Ziel der Tagung „Erkenntnistheorie im alten Fruchtbaren Halbmond“ ist es, diese neuen Ansätze in einen Dialog zu bringen, um ein prägnantes Bild der erkenntnistheoretischen Prozesse in den Kulturen dieser Region zu zeichnen.
Programme Download (update 22. Juni 2022)
zuletzt bearbeitet am: 27.10.2026